Ich habe mit Anastasia Podverbnii darüber gesprochen, was bewusstes Denken für sie bedeutet – und wie sehr es ihre Arbeit als Beraterin prägt.

Warum hast du eigentlich zu diesem Interview zugesagt?

Weil ich finde, dass du eine tolle Sache machst und ich diesen Weg unterstützen möchte.

Wow, das ist sehr nett von Dir – Danke!
Welche Bedeutung hat das Thema „Bewusst DENKEN“ für dich?

Es hat für mich eine grundlegende Bedeutung.

Seit ich die psychologische Seite des Denkens kenne und bewusst reflektieren kann, merke ich, welchen enormen Unterschied das für meine Lebensqualität macht – wie viel mir dadurch möglich wird. Wie ich mit anderen Menschen anders umgehen kann, meine Arbeit anders gestalten kann – eigentlich mein ganzes Leben. Das ist eine Qualität, die ich nicht mehr missen möchte. Und das passiert durch bewusstes Denken.

Welches Beispiel aus deinem Leben fällt dir dazu ein, wo du positiv oder negativ die Bedeutung gespürt hast?

Ich habe das bei einem sehr lieben Kollegen von mir beobachtet, in einem Beratungsauftrag. Es gab einen starken Konflikt zwischen zwei Abteilungen, die sich überhaupt nicht vertragen haben. Der Konflikt lag nicht auf der Kommunikationsebene, sondern auf einer moralischen – dort konnte er nie gelöst werden. Wenn man das nicht erkennt, „befetzt“ man sich endlos. Mithilfe einer Checkliste konnten sie sichtbar machen, wer involviert ist, was passiert, wo es passiert und ob Menschen einlenken können, dürfen oder wollen.

Diese bewusste Betrachtung löst kognitive Verzerrungen auf und zeigt versteckte Realitäten im System. Plötzlich entstand Klarheit – und die Abteilungen mussten nicht mehr gegeneinander kämpfen, weil sie sich besser verstanden. So konnte der Konflikt aufgelöst werden.

Wow – ein wirklich tolles Beispiel!
Jetzt bist du ja zu dem Thema sehr belesen: Du hast ja gerade in dem Beispiel erzählt, welchen Wert es haben kann, die Zusammenhänge bewusst zu machen, um sie verstehen zu können.

Welche Grundsätze oder grundlegenden Denkweisen helfen dir am meisten?

Zwei Dinge sind für mich zentral:

Erstens Zweifel behalten. Ich strebe zwar nach Sicherheit, aber weiß, dass ich sie nie vollständig haben kann. Das schützt mich davor, blind zu werden. Der Zweifel hilft mir also, die Dinge zu hinterfragen – also auch zu hinterfragen, ob ich sie richtig verstehe.

Zweitens: Meine Prägung und Geschichte beeinflussen mich stark. Meine Routinen lassen mich automatisch reagieren – so wie bei jedem Menschen. Um aber nicht in Automatismen stecken zu bleiben, schaue ich bewusst hin: Ich frage mich: Was passiert gerade? Wie reagiere ich? So kann ich mit meinen Mustern umgehen.

Und sich dessen selbst bewusst zu werden, damit man mit den eigenen Mustern und dem eigenen Verhalten umgehen lernt, ist für mich zentral.

Welchen Rat würdest du anderen geben, um im beruflichen oder privaten Kontext bewusster handeln zu können?

Es zu tun. (lacht)

Neugierig auf sich selbst zu werden. Sich zu fragen, was es noch gibt, was man an sich noch nicht kennt. Das braucht Mut, Werkzeuge und vielleicht auch Unterstützung. Aber es lohnt sich – die gewonnene Lebensqualität ist so viel höher. Man steht in der Früh gerne auf, man arbeitet gerne, man ist gerne mit anderen Menschen zusammen. Und am Ende kann man sagen: „Coole Sache, gerne wieder.“

Als abschreckendes Beispiel in dem Zusammenhang denke ich an einen Grabstein mit der Aufschrift: „Here lies a man who never even tried.“ (lacht)

Welche Frage sollte ich dir noch stellen, weil da vielleicht etwas ist, das du loswerden möchtest?

Mmhh, ahh, ja super gerne!

Ich weiß nicht, welche Frage dazu passen würde. Aber vielleicht wissen wir die Frage, nachdem ich die Antwort gegeben habe.

Das Thema „bewusst denken“ ist unglaublich komplex – Neurobiologie, Erziehung, geistige Dimension, Emotionen. Wenn wir uns selbst und anderen begegnen, sollten wir diese Komplexität bedenken und gleichzeitig fasziniert bleiben davon, wie viel in uns passiert. Unser Körper organisiert Milliarden Abläufe – ohne unser Zutun. Deshalb sollten wir nicht zu hart zu uns selbst oder zu anderen sein.

Wir sind alle unterwegs – das ist wichtig und wird leider oft vergessen.

Liebe Anastasia, vielen Dank für das Gespräch!

bernhard-fink consulting