Interview: 'A journey to agile!'

 

Logo Journey to Agile   20210511

journey-to-agile – Die Reise zu einer agileren Organisation
Der Online-Guide soll noch dieses Jahr als kostenloser Wegweiser und Ratgeber erscheinen.

 

Stellen Sie sich eine zentrale Anlaufstelle vor, die größeren Unternehmen dabei hilft, agiler zu werden: Eine Guideline in Form einer Website, die Anleitungen und Hilfestellungen gibt bei einem Prozess, der sehr aufwändig ist und lange dauert. Und das ganze kostenfrei und in einer ständigen Erweiterung durch Experten und Anwender, die sich mit Know How und Erfahrung einbringen. Nein, Sie träumen nicht … im Gegenteil: Dieses Projekt will agile Geister wecken und bündeln. Wir wünschen gute Reise mit der „journey-to-agile“!


Bernhard Fink, seit circa 20 Jahren in großen Organisationen als Berater und Projektmanager tätig, bemerkte durchgehend große Ratlosigkeit und Schwierigkeiten bei Veränderungen, insbesondere bei komplexen Neuerungen. Es fehlte ausführliches Wissen und Methoden alleine reichten nicht aus. Es braucht Verständnis, wie Teams funktionieren und Hilfestellungen, wie man handelnde Personen miteinander verbindet. Daraus entstand – vor inzwischen schon einigen Jahren – die Beschäftigung mit Führung und Zusammenarbeit in Richtung agiler Transformationen. Das vielschichtige, teilweise konfuse Wissen zu sammeln und zu sortieren, um größeren Organisationen dabei zu helfen, agil oder agiler zu werden … ist die Idee hinter der „journey-to-agile“.

 

„Es geht darum, das ‚Gemeinsame‘ zu finden.“
Interview mit Bernhard Fink

Bernhard, du nennst dein Projekt „journey-to-agile – Die Reise zu einer agilen Organisation“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Meine Vision und Motivation ist es, größeren Organisationen mit einer Guideline eine zentrale Anlaufstelle zu geben, wo diese nachschauen und Anleitungen benutzen können, um vom jeweilig aktuellen Zustand zu einem agileren zu kommen.

 

Es gibt ja bereits viele agile Methoden. Wie kann deine Plattform hier helfen?

Was ich sehe, ist folgendes Dilemma: Es gibt viele Methoden und es gibt viele Organisationseinheiten, die sich mit einer agilen Transformation beschäftigen. Das sind meistens Personen, die viel Wissen haben und teilweise auch eine klare Vorstellung davon, wie es gehen könnte. Aber wenn man fünf dieser Personen innerhalb einer Organisation befragt, bekommt man fünf Versionen des gleichen Konzeptes. Die „journey-to-agile“ soll dabei helfen, einen gemeinsamen Blickwinkel zu schaffen, an dem sich die Beteiligten entlang hanteln können. Es soll eine zentrale Variante entstehen, ein gemeinsames Vorgehensmodell, ein gemeinsamer Blickwinkel.

 

Was ist für dich eine »agile Organisation«?

Agil ist eine Organisation, die ihr Geschäftsmodell und die Art und Weise, wie sie arbeitet, in kurzer Zeit auf neue Anforderungen anpassen kann. Die sich möglichst schnell neu ausrichten kann, wenn es notwendig ist – und das nicht nur einmal, sondern laufend. Die es sich zur Disziplin gemacht hat, schnell reagieren zu können.

 

So viel zur Sicht von außen. Wie sieht eine agile Organisation von innen aus? Wie wird sie agil?

Das Thema „agil“ wird oft verwechselt mit Einführen einer agilen Methode. Das ist vielleicht auf Team-Ebene eine Möglichkeit, die Arbeitsweise umzustellen, aber auf Organisationsebene braucht es die Beteiligung aller Einheiten im gesamten Wertschöpfungsprozess, insbesondere auch der Führungskräfte. Es braucht da eine Anpassung an vielen Stellen in der Organisation: Wir reden von der Fähigkeit, auf die Bedürfnisse der Kunden und des Marktes einzugehen. Es braucht eine proaktive Vorgehensweise, um schnell reagieren zu können. Man muss Dinge ausprobieren wollen und auch den Mut haben, Fehler zu machen, um mit einer bestimmten Geschwindigkeit weiter zu kommen. Das sind Eigenschaften, die eine agile Organisation ausmacht und die man in traditionellen Organisationen nur eingeschränkt findet.

 

Wer braucht deine „journey-to-agile“-Guidelines? Wen möchtest du konkret ansprechen?

Größere Organisationen, die agiler werden möchten bzw. aus der Personal-Sicht sind es Leute, die führend oder begleitend bei agilen Transformationen eine Rolle spielen. Das können interne Führungskräfte und Mitarbeiter sein oder externe Coaches bzw. Organisationsberater. Es ist nicht für alle Beteiligten an einer agilen Transformation gedacht, dafür ist es zu speziell aufbereitet; sondern eher für jene, die führend daran arbeiten.

 

Wie kann man sich diese Guideline vorstellen? Als fixfertiges Handbuch oder als ständig wachsenden Konvolut?

Sowohl als auch. Aktuell ist es eine Sammlung von Konzepten, die einen konsistenten Ablauf einer agilen Wandlung erklären sollen. Im nächsten Schritt soll daraus eine Website entstehen, auf der man zu den verschiedensten Fragen und Themen dieser „agilen Reise“ strukturiert nachlesen kann. Das Wissen soll nach dem Launch der Website stetig wachsen, indem sich Experten und Anwender einbringen und ihre Expertise zur Verfügung stellen, um einen gemeinsamen Wissens- und Erfahrungspool zu schaffen.

 

Wie und wann beginnt für eine Firma die „journey-to-agile“?

Dann, wenn sich eine Firma mit dem Thema zu beschäftigen beginnt. Es gibt in Organisationen – meist mehrere, vordefinierte – Personen, die einschlägiges Wissen aufbauen … sei das über Lektüre, Schulungen etc. An dieser Stelle können unsere Guidelines bereits helfen, eine gemeinsame Meinung zwischen den handelnden Personen in einer Organisation zu finden. Und das „Gemeinsame“ ist hier der wesentliche Punkt:

"Es geht darum, dass die Gruppe der Personen, die agile Veränderungen auslösen sollen, eine gemeinsame Vorstellung, ein gemeinsames Wissen haben."

 

Das hauptsächliche Ziel ist es also, Wissen in einer verdaubaren und anwendbaren Form zu bündeln. Die direkten Nutznießer sind die Organisationen, die agiler werden wollen. Wie steht es um den indirekten Nutzen für jene, die an der Plattform mitwirken?

Es steht heute kein direkter kommerzieller Zweck hinter der Plattform. Aber für jene Personen, die an der Plattform kostenfrei mitwirken und die ihr Know How freiwillig einfließen lassen, kann es einen indirekten Nutzen geben: Denn sie werden möglicherweise später als Berater angesprochen. So gesehen ist es indirekt eine Werbeplattform für die aktiv Mitwirkenden.

 

Wie weit bist du mit deinem Projekt? Wann geht die Reise los?

Aktuell gibt es eine ausgiebige Sammlung an Inhalten für diese Guideline, die gerade bei einer Gruppe von Personen in der Begutachtung steht. Daraus soll eine erste Version der „journey-to-agile“ entstehen, die für die Website übernommen wird. Im März ist ein Treffen innerhalb dieser Gruppe geplant, wo wir die nächsten Schritte besprechen, mit dem Ziel, dass es noch heuer im Sommer eine erste Version der Website gibt.

 

Wo soll die „journey-to-agile“ in 3 bis 5 Jahren sein?

Mit der ersten Version einer Webseite können wir beginnen, das Projekt in größerem Maße zu kommunizieren – via Social Media, auf Konferenzen etc., um es in die Breite zu tragen. Dann brauchen wir viele Leute, die es ausprobieren und sich einbringen. Und wer weiß, vielleicht gibt es in ein paar Jahren schon Symposien und Events…

 

Wenn du dir in den Organisationen etwas wünschen könntest, damit diese agiler werden … was wäre das?

Dass die beteiligten Personen gemeinsam und mit Hausverstand vorgehen: Weniger „Ich mach mein Ding“ und viel mehr „Wir überlegen gemeinsam, was wir tun wollen, was funktionieren könnte“. Dann können Aktionen durchgeführt und umgesetzt werden. Und auf Organisations-Ebene würde ich mir mehr Mut wünschen, Veränderungen zu starten, auch wenn es zu Beginn noch keinen detaillierten Umsetzungsplan gibt.

Veränderung passiert in kurzen Schritten, in so genannten „Iterationen“ und man konzentriert sich auf das, was in den nächsten Wochen und Monaten möglich ist. Man muss sich nicht damit beschäftigen, was in einem oder in zwei Jahren passieren soll. Allerdings halte ich es für wichtig, dass es eine gemeinsame Vorstellung gibt, zu welchem Zweck man seine Organisation verändern will. Das gibt die nötige Orientierung.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview hat Thomas Weidinger für die Next Level Consulting GmbH geführt.